
Angst ist Ihr Geschäft
Der Krieg gegen die Menschheit mittels Fake-Pandemien wurde schon mit der Schweinegrippe geprobt — damals wurde das Thema von Rappern aufgegriffen.
„Profiteure der Angst“ hieß eine Dokumentation, die 2009 von Arte produziert wurde und aufzeigte, dass die angebliche Gefährlichkeit der sogenannten Schweinegrippe eine große Inszenierung der Pharmaindustrie war. Stellte die Produktion bis 2020 noch eine Art Underground-Tipp dar, so erlebte sie spätestens zu Beginn der Coronazeit ein unverhofftes Revival, denn die Protagonisten und Mechanismen von Schweinegrippe und C-Terror waren nahezu identisch. Schon immer war der Titel „Profiteure der Angst“ sehr treffend. Menschen Angst einjagen, um daraus Kapital zu schlagen? Eine perverse und kranke Sicht auf den Menschen.
Den Song „Angst ist deren Business“ performte der deutsche Reggae- und Dancehallsänger Nosliw ebenfalls im Jahr 2009. Der Songtitel und das Erscheinungsjahr legen nahe, dass Nosliw den Arte-Film gekannt habe könnte. Der systemkritische Track erschien auf seinem Album „Heiss & Laut“ und setzt sich kritisch mit Angst als einem Herrschaftsmittel der Politik auseinander, mit der Dauerbeschallung durch Schockszenarien und der Verunsicherung auf allen Kanälen.
Sie kommen nur mit bester Absicht
Um uns zu retten
Mit Wochendosen und Tabletten
Und wir gehn heim mit noch mehr Schiss
Und sie verdienen
Sich blöd an ihrer Medizin
Sie kennen unsere Neurosen
Hören die Gebete
Doch alles nur für gute Knete.
Angst ist eine menschliche Urempfindung. Sie hat, wie alle Empfindungen, eine grundsätzliche Berechtigung, besser gesagt, einen Nutzen: Angst warnt uns vor Gefahr.
Angst vor Gefahr ist jedoch immer konkret mit einer Sache oder Situation verknüpft und dementsprechend kein Dauerzustand. Was genau wir als Gefahr betrachten, lässt sich durch orwellsche Sprachspiele der schönen, neuen Wissenschaft jedoch bis ins Unermessliche anpassen und in ständig neue Kontexte abstrahieren. So lauerte die Gefahr der Coronazeit mal in der Türklinke, dann in der Oma, dann in den Enkeln und dann wieder im bösen, dreckigen Bargeld.
Das Ergebnis ist, dass sich das Thema Angst zunehmend völlig unverhältnismäßig durch alle Löcher in unser Leben einschleicht und viel zu großen Raum einnimmt, bis die Ausnahmesituation Angst zum Dauerzustand geworden ist.
Diese Dinge sind keine Neuheit und seit Jahrzehnten erforscht; die Autorin Naomi Klein hat die systematische Anwendung von Angst als Mittel von Politik in ihrem Werk „Schock-Strategie“ mit dem Untertitel „Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus“ im Jahr 2007 ausführlich beschrieben.
In Nosliws „Unsere Angst ist deren Business“ geht es nicht nur um die Angstmache in der großen Weltpolitik, sondern auch um den Angriff auf das Recht, mit bescheidenen Mitteln ein glückliches und zufriedenes Leben führen zu dürfen. Wer nicht gerade Angst vor einem Weltkrieg oder dem Verlust seiner wirtschaftlichen Existenz hat, der soll doch wenigstens Zweifel an seinem Körper haben, an der Qualität seines Freundeskreises oder an seinen eigenen intellektuellen Fähigkeiten.
Das erkennt auch Nosliw – der bei der Erscheinung des Songs um die 35 Jahre alt war –, wenn er sagt:
Sie machen Cash mit unserer Hoffnung
Mit unseren Träumen
Der Angst, die Chancen zu versäumen
Der Furcht vorm ewigen Alleinsein
Seelischen Pleiten
Der Furcht vor richtig harten Zeiten.
Wenn Angst jedoch eine Urempfindung ist, ist der Mensch dann nicht schon immer dadurch steuerbar? Greifen Angstbotschaften heute besser als früher? Was hat sich verändert? Die Fragen sind berechtigt, und wir finden Antworten darauf in der Globalisierung und der Möglichkeit der massenmedialen Formung der Gehirne. Spätestens ab dem Zweiten Weltkrieg ist Kommunikation ein global vermarktetes Industrieprodukt geworden, Bilder sind Teil hybrider Kriegsführung und werden zum Teil gezielt platziert, um gewünschte Stimmungen in der Bevölkerung hervorzurufen.
Natürlich war die Angst vor islamischem Terror nach dem 11. September für sich genommen schon eine große Illusion, doch der Angsteffekt wurde erfolgreich erzielt. Dafür reichen auch reine Inszenierungen. Eine Bevölkerung, einmal in Angst versetzt, akzeptiert fast jedes politische Mittel, um vor dieser Angst wieder scheinbar sicher zu sein. Diese Blaupause wurde zu Beginn der Coronazeit mit den „Bildern von Bergamo“ erneut erfolgreich angewendet.
Wir haben Angst vor China und Sowjets, Krieg und McDonalds
Vor verantwortungslosem Pokern und vorm sinkenden Dollar
Bis ins Rückenmark Angst vor Al Quaida, Angst vor Bin Laden
Wir haben Schiss vor den Lehman Brothers und Angst vor den Staaten.
Diese Worte stammen aus dem zweiten Teil des Tracks, wo der Gesang von Nosliw durch einen Rap-Part ergänzt wird. Es ist Olli Banjo, der darauf zu Wort kommt. In den 2000er-Jahren war Olli Banjo einer der wortgewaltigsten und innovativsten deutschen Hip-Hop-Künstler. Während der Erfolg des Sängers Nosliw immer überschaubar blieb, spielte Olli Banjo früher auf dem bekannten Splash-Festival, zierte das Cover des legendären _JUICE_-Magazins und bekam auf seinen sogenannten Sparring-Alben mit einem Fingerschnippen jeden deutschen Rap-Artist als Featuregast zugesagt. Er kann auf eine lange Tradition explizit systemkritischer Texte zurückblicken, die mich auch als jungen Hip-Hop-sozialisierten Menschen immer wieder begeisterten.
Während seiner goldenen Zeit war man Texte wie auf „Angst ist deren Business“ von ihm gewohnt, doch seit vielen Jahren ist es recht still um den Rapper geworden, und auch Corona hat Olli Banjo nicht repolitisiert oder in größerem Maße zurück zum Rappen gebracht. Angesichts der vielen Enttäuschungen, die man gerade auch im vermeintlich sozialkritischen Hip-Hop-Bereich während der Coronazeit verkraften musste, bin ich gar nicht so traurig darüber.
Natürlich hätte ich mir gewünscht, ein altes Idol von mir hätte seine Stimme gegen Unrecht, Impfapartheid und Dauerpropaganda erhoben, aber ich bin ja schon froh, dass er mich nicht direkt als Sozialschädling bezeichnet hat.
So bleibt uns mit „Angst ist deren Business“ ein kluger Rapsong zurück. Auch das hat einen großen Wert. Und wenn ich träumen darf, dann wünschte ich mir, der Sänger Nosliw und der Rapper Olli Banjo hätten sich im Stillen die gleichen Gedanken gemacht wie ich und wollten einfach in Ruhe gelassen werden – ohne Angst, ohne Psychoterror, ohne volle Hosen.
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