
Das Sterben für die Mächtigen
Die DDR-Liedermacherin Bettina Wegner schuf die beste deutsche Coverversion von Donovans Anti-Kriegs-Klassiker „Universal Soldier“.
Was wäre ein Hitler, ein Bush ohne jene Tausende williger Bewaffneter, die bereitwillig und „Jawohl“ brüllend in jede Schlacht ziehen und auf ihnen fremde Menschen anderer Länder schießen? Buffy Sainte-Marie hatte mit ihrem 1965 von Donovan gesungenen Song „Universal Soldier“ Recht, indem sie den einzelnen Soldaten eine große Mitverantwortung zuwies. Bettina Wegner hat eine bewegende deutsche Version des Klassikers geschrieben: „Soldaten“. Darin singt sie: „Es ist Wahnsinn, dass ein Liebender auch Menschen töten kann, die genauso wie er selber liebend sind.“ Wegners Schwerpunkt liegt eher auf der Manipulation der „blinden“ Menschenmassen durch die Eliten. Ein klares kollektives „Nein“ könnte das Schlachten beenden.
„Who’s responsible for war?“ Buffy Sainte-Marie meinte, dass diese Frage unsere individuelle Antwort erfordert, unsere eigene Verantwortung. 1964 hatte bereits das 9. Jahr des Vietnamkriegs begonnen, seit Anfang der 1960er hatte sich in New York City in Greenwich Village das „Gaslight Café“ zum Folk- und Jazz-Club entwickelt. Im Kellergeschoss des Hauses 116 MacDougal Street. Man sang Folk-Songs und eigene Lieder, die wie Folksongs klangen.
Das war Zeitgeist und Inspiration, Bob Dylan hatte da erste Aufmerksamkeit erregt und alle waren da, gaben im Gaslight Konzerte, hörten auch einander zu: Eric Andersen, Joan Baez, José Feliciano, Phil Ochs, Tom Paxton und viele andere. Pete Seeger natürlich und auch Buffy Sainte-Marie, schwarzhaarig mit langer Mähne, indigene Aktivistin für gleiche Rechte, aus Kanada. John F. Kennedy war US-Präsident und die Kommunistenfresser der 1950er hatten ziemlich an Einfluss eingebüßt.
Buffy veröffentlichte 1964 ihr Lied „Universal Soldier“ auf ihrem Debut-Album, da war sie 23 Jahre alt.
Vom Gaslight Café bis zum Newport Folk Festival sang man „Blowing In The Wind” und auch „Where Have All The Flowers Gone“ und von Buffy dann die ganz ähnliche, aber sehr direkte Botschaft: Wenn die Soldaten nicht mitmachen würden, genauer, wenn der universelle Soldat, der für die jeweilige Macht eingesetzt wird, nicht mitmachen würde, würden die Kriege enden. Später hieß es ja auch bei den Ostermärschen in Deutschland: Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin.
Buffy Sainte-Marie sagte über die „kleinen Songs“: Sie mache Schnappschüsse wie ein Fotograf. Und dieser Song sei eine Momentaufnahme von Argumenten, die ein friedensbewegter Student einem Dozenten vorträgt – er wünscht sich, der Professor solle seine Meinung von der Notwendigkeit von Kriegen ändern, indem er den glasklaren Argumenten folgt.
Buffy Sainte-Marie: “Universal Soldier”
„And he’s fighting for Canada
He’s fighting for France
He’s fighting for the U.S.A
And he’s fighting for the Russians
And he’s fighting for Japan
And he thinks we’ll put an end to war this way
And he’s fighting for Democracy
He’s fighting for the Reds
He says it’s for the peace of all …“
Und sie sagte:
Wenn du etwas in 3 Minuten sagen kannst, wofür jemand anders ein 400-Seiten-Buch schreiben musste, ist es so: Das Buch verschwindet im Regal, aber das Lied kann ewig leben.
In der Version von Donovan wurde das Lied 1965 ein Welthit, der Vietnam-Krieg aber war 10 Jahre alt und ging noch 10 Jahre weiter.
Später folgten einige deutsche Versionen, ich machte auch eine, wir konnten das in der Friedensbewegung in der DDR brauchen. Aber aus meiner Sicht erschien die beste deutsche Nachdichtung 1992 auf einem Live-Album von Bettina Wegner. Wir machen bis heute, 2023, gemeinsame Konzerte – und das Lied ist immer dabei.
Und seit dem vorigen Jahr gibt es jedes Mal Standing Ovations – für dieses Lied, mitten im Konzert.
Kurz vor der Veröffentlichung 1992 sagte sie mir einmal, alle würden ja immer nur das Lied mit den kleinen Händen kennen, sie hat aber viel mehr geschrieben und dieses Lied, „Soldaten“, scheint ihr sehr gelungen. Besonders die eine Strophe: Da bin ick direkt bisschen stolz, det mir dit einjefalln is
:
„Ein Soldat ist auch ein Vater, jemands Sohn und jemands Mann,
Liebt die Mutter, liebt die Frau und liebt sein Kind.
Es ist Wahnsinn, dass ein Liebender auch Menschen töten kann,
Die genauso wie er selber liebend sind.“
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